Die Wärmepumpe ist nur so gut wie ihre Auslegung. Das gilt im Winter besonders, wenn der Strombedarf am höchsten ist.
Was „ausgelegt“ heißt
Die Heizlast ist die Wärmemenge, die Ihr Gebäude bei der kältesten Außentemperatur Ihrer Region pro Stunde braucht, um die Solltemperatur zu halten. Sie wird raumweise nach DIN EN 12831 berechnet. Schätzwerte aus der alten Kesselleistung oder der Wohnfläche taugen dafür nicht. Nach Dämmung und Fenstertausch liegt der Bedarf oft deutlich unter dem früheren Verbrauch. Mehr dazu im Beitrag Heizlastberechnung.
Zu groß oder zu klein
Takten statt Laufen
Eine überdimensionierte Wärmepumpe läuft nur kurz, schaltet ab und startet wieder. Jeder Start kostet Effizienz, und der Verdichter altert schneller. Die Jahresarbeitszahl sinkt, die Stromrechnung steigt.
Heizstab im Frost
Bei Frost reicht die Leistung nicht mehr. Dann schaltet sich ein Heizstab zu. Er wandelt Strom nahezu eins zu eins in Wärme und arbeitet damit deutlich schlechter als die Wärmepumpe selbst. Das sollte die Ausnahme bleiben, nicht der Normalbetrieb.
Die Vorlauftemperatur
Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Alte Heizkörper, die für hohe Temperaturen ausgelegt sind, zwingen die Anlage zu mehr. Zur Auslegung gehören deshalb die Heizflächen, der hydraulische Abgleich und die Heizkurve.
Ohne diese Prüfung arbeitet auch eine richtig dimensionierte Anlage schlechter als möglich.
Warmwasser
Der Speicher muss zum Warmwasserbedarf Ihres Haushalts passen. Ein zu kleiner Speicher bedeutet kalte Duschen am Abend, ein zu großer verursacht unnötige Bereitschaftsverluste.
Verbraucht die Wärmepumpe im Winter viel Strom?
Ja. Im Winter steigt der Stromverbrauch der Wärmepumpe, weil dann am meisten geheizt wird, und die Effizienz sinkt bei Frost. Entscheidend ist das Verhältnis über das Jahr: Eine gut eingestellte Anlage liefert auch im Winter mehr Wärme, als sie Strom aufnimmt.
Wärmebedarf pro Jahr (Annahme)
15.000 kWh
Wärme für das Haus
Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3
5.000 kWh
Strom pro Jahr
Gasbrennwertkessel mit 90 % Wirkungsgrad
16.700 kWh
Gas pro Jahr
Rechenbeispiel mit Annahmen, keinen Messwerten. Was das kostet, hängt vom aktuellen Strom- und Gaspreis ab.
PV dazu: Der Winter ist die Lücke
Eine Photovoltaikanlage liefert im Winter wenig. Laut einer Auswertung entfallen auf Dezember und Januar zusammen rund 5 bis 6 Prozent des Jahresertrags einer 10-kWp-Südanlage. Ein kalter, klarer Wintertag ist ein guter PV-Tag, aber ein seltener. Die Wärmepumpe läuft dann am meisten.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Dezember und Januar am PV-Jahresertrag (10 kWp, Süd) | rund 5 bis 6 % |
| PV ohne Batteriespeicher am Jahresstrombedarf für Haushalt und Wärmepumpe | etwa 20 bis 30 % |
| PV mit Batteriespeicher am Jahresstrombedarf für Haushalt und Wärmepumpe | bis zu 40 % |
Quellen: Verbraucherzentrale Hamburg, Pressemitteilung vom 27. Februar 2025, und eine Auswertung der Monatserträge für eine 10-kWp-Südanlage.
Warum die Jahresbilanz zählt
Die Anlage erzeugt im Sommer deutlich mehr, als Ihr Haus braucht. Der Überschuss wird selbst genutzt oder ins Netz eingespeist. Eine Wärmepumpe erhöht den Eigenverbrauch, und selbst genutzter Strom ist der wertvollere Teil.
Einspeisung, Teileinspeisung bis 10 kWp
7,70 ct
pro kWh, Anlagen ab August 2026
Netzbezug, Haushaltsdurchschnitt
rund 37 ct
pro kWh laut BDEW
Selbst genutzter Solarstrom
spart Netzbezug
jede kWh zählt mehr als eine eingespeiste
Was Sie nicht übersehen sollten
Ein zu großer Batteriespeicher verschlechtert die Wirtschaftlichkeit und altert schneller.
- Die Einspeisevergütung könnte sich ändern. Ein Gesetzentwurf des Bundeskabinetts sieht vor, die feste Einspeisevergütung für kleine Anlagen schrittweise abzuschaffen. Der Entwurf ist nicht beschlossen, der aktuelle Stand gehört in jede Beratung.
- Herstellerangaben zu Amortisation und Autarkie sind mit Vorsicht zu lesen. Eine Rechnung mit Ihren tatsächlichen Verbrauchsdaten ist aussagekräftiger als eine Werbezahl.
Häufige Fragen
Verbraucht eine Wärmepumpe im Winter viel Strom?
Ja, der Verbrauch steigt, weil dann am meisten geheizt wird. Entscheidend ist die Jahresbilanz: Bei einer Jahresarbeitszahl von 3 entstehen aus einer kWh Strom rund drei kWh Wärme.
Kann eine PV-Anlage die Wärmepumpe im Winter versorgen?
Nicht allein. Ohne Speicher deckt eine PV-Anlage etwa 20 bis 30 Prozent des Jahresstrombedarfs für Haushalt und Wärmepumpe, mit Batteriespeicher bis zu 40 Prozent.
Was passiert, wenn die Wärmepumpe zu groß ist?
Sie taktet: Sie läuft kurz, schaltet ab und startet wieder. Das kostet Effizienz und belastet den Verdichter.
Fazit
Wärmepumpe und PV-Anlage passen zusammen, wenn beide richtig dimensioniert sind. Der Winter bleibt eine Lücke, die über Netzbezug geschlossen wird. Ob sich das rechnet, entscheidet die Bilanz über das ganze Jahr, nicht der Dezember. Die Auslegung der Wärmepumpe kommt dabei vor allem anderen: Ohne Heizlast und geprüfte Heizflächen ist jede Wirtschaftlichkeitsrechnung nur eine Schätzung. Zur Grundsatzfrage siehe Wann eine Wärmepumpe sinnvoll ist – und wann nicht.
Welche Größe passt zu Ihrem Gebäude?
Wir prüfen Heizlast, Heizflächen und Warmwasserbedarf und rechnen Strom, PV und Kosten gegeneinander.